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Bauern­flasch’n, halt die Gosch’n

XXIV. Gesetzgebungsperiode, FPÖ

  • gegen: Wolfgang Zanger
  • Präsidium: Mag. Dr. Martin Graf
  • erhalten im: Dienstag, 19 Mai 2009

Abgeordneter Wolfgang Zanger (FPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Das habe ich mir jetzt verdient, lieber Kollege Faul, nach dir zu reden! (Heiterkeit bei FPÖ und SPÖ.) Dich zu toppen, das wird mir heute nicht mehr gelingen. Pass auf, was du sagst, oder ...! (Neuerliche Heiterkeit.)


Herr Bundesminister, aber jetzt werden wir wieder ein bisschen ernster. Sie gehen seit geraumer Zeit in Österreich auf Tour, um den Bauern sich selbst und Ihr Programm vorzustellen und das Blaue vom Himmel herunter zu erzählen. Dabei erhoffen sich die Bauern Informationen, sie erhoffen sich Lösungen, und vor allem erhoffen sie sich Wahrheiten. Was sie zu hören bekommen, ist gar nichts – gar nichts! Keine Informa­tion, null – außer ein paar Lippenbekenntnissen, die wir schon von Ihrem Vorgänger massenhaft gehört haben. Für 20 000 € pro Veranstaltung sollten Sie etwas mehr bie­ten.

Konkret weiß ich von einer Veranstaltung, wo das Thema Analogkäse, Kunstkäse angesprochen wurde. Nur kurz zur Information: Mittlerweile werden in Deutschland 100 Millionen Kilogramm Kunstkäse erzeugt; da befindet sich kein Tropfen Milch mehr drinnen. Wenn man jetzt weiß, dass für die Herstellung von einem Kilo Normalkäse zwischen vier und 12 Liter Milch gebraucht werden, dann sollten Sie hier etwas ande­res anbieten als die Aussagen der Molkerei, die Liefermengen zu reduzieren.

Denn hier könnte man einhaken, hier könnte man etwas machen, und das Erste, was man hier machen kann, ist, eine Kennzeichnungspflicht einzuführen, und auf diese, Herr Bundesminister, wurden Sie angesprochen. (Zwischenrufe beim BZÖ. – Gegen­rufe bei der SPÖ. – Abg. Grosz: Herr Präsident! – Abg. Ing. Westenthaler: Das sind drei Ordnungsrufe gewesen vorhin!)

Was die Kennzeichnungspflicht für Kunstkäse angeht: Sie haben nichts dazu gesagt, und deswegen bringe ich jetzt ... (Anhaltende Rufe beim BZÖ in Richtung des Abg. Faul.) – Herr Präsident, vielleicht können Sie die „Brüder“ ein bisschen beruhigen da drüben?!

Präsident Mag. Dr. Martin Graf (das Glockenzeichen gebend): Darf ich um Aufmerk­samkeit ersuchen! Ich habe schon gesagt, dass ich trotz Erkundigung nicht vernehmen konnte, was der Redner gesagt hat (Abg. Grosz: Weil Sie selber gelacht haben! – Abg. Ing. Westenthaler: Da müssen Sie sich die Ohren reinigen!) – es ist so! –, dass ich veranlasst habe, dass das Protokoll beigeschafft wird, und dass man anhand des Pro­tokolls dann nachprüfen wird, ob etwas Ordnungsrufverdächtiges gesagt wurde.

Wir haben es hier oben alle nicht verstanden. Ich bitte, das zur Kenntnis zu nehmen! Auf Zuruf kann man keinen Ordnungsruf erteilen – das bitte auch zur Kenntnis zu neh­men.

Herr Kollege Zanger, Sie sind am Wort.

Abgeordneter Wolfgang Zanger (fortsetzend): Ich bringe zu diesem Thema – Sie werden ohnehin nicht wissen, was ich meine, aber egal – folgenden Entschließungs­antrag ein:

"Die Bundesregierung wird aufgefordert, umgehend dafür Sorge zu tragen, dass sämt­liche in Österreich zum Verkauf angebotenen Kunstkäseprodukte eindeutig als Kunst­käseprodukte gekennzeichnet werden."

Herr Bundesminister und Herr Bauernbundpräsident, ich möchte Sie darauf aufmerk­sam machen, dass der Bauer schon noch fragen darf und dass er auch das Recht hat, auf seine Frage eine Antwort zu erhalten. Sie agieren hier nach dem Motto: Bauern­flasch’n, halt die Gosch’n! Das kann und darf sich der Bauer nicht mehr länger gefallen lassen. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Das hat der Präsident wieder nicht gehört!)

Ordnungsruf

Präsident Mag. Dr. Martin Graf: Herr Kollege Zanger, für den Ausdruck „Bauern­flasch’n, halt die Gosch’n!“ erteile ich einen Ordnungsruf. (Abg. Ing. Westenthaler: Auf einmal hört er wieder!) Ich bitte, dass man bei den nächsten Wortmeldungen wieder die Würde des Hauses beachtet und die Wortwahl danach einrichtet.